Mit 16 Jahren haute sie das erste Mal von Zuhause ab. Und natürlich kam sie zurück. Immer wieder. Doch seit dieser Zeit weiß Anne Haigis, dass der Wunsch, ja die Sehnsucht nach der weiten Ferne unauslöschlich in ihr Innerstes gebrannt ist.

In Rottweil am Neckar – zwischen Stuttgart und Bodensee – wurde Anne Haigis geboren. Schon früh tauschte sie ihre Puppen gegen die Flöte ein und entdeckte die Leidenschaft zum Musizieren. Das war ihr Einstieg ins Kammerorchester.

Mit vierzehn Jahren zog sie sich von der Kammermusik in ihr eigenes musikalisches Kämmerchen zurück, lernte die für eine Eigenbegleitung notwendigen ersten Gitarrengriffe und sang sich ihren „Kleinstadt-Blues“ und ihr ungestilltes Fernweh mit Songs von King Crimson und Joni Mitchell von der Seele.

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Zum ersten Mal in einem Stuttgarter Musikclub, begegnete sie der Rockband „Foggy Day“, die keine große Mühe hatte, Anne davon zu überzeugen, dass sie das Singen zum Beruf machen solle.

Zurück in Rottweil verweigerte sie die nächste Mathearbeit, indem sie ein leeres Heft abgab, setzte sich in den nächsten Zug nach Stuttgart und verließ somit Schule und Elternhaus im Alter von 16 Jahren.

Zurück in Deutschland entwickelte sie in der Zusammenarbeit mit „RE“ ihren eigenen Stil und gab den Songs von Airto, Flora Purim, George Benson und Randy Crawford ihre unverwechselbare, rockige Note.

1987 erhielt sie einen Preis beim Nachwuchsfestival der „Deutschen Phonoakademie“ in der Sparte Jazz.

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1981 erschien das von der Kritik hochgelobte Debut-Album ‚For here where the life is‘, produziert von ihrem ‚Entdecker‘ und späteren Lebenspartner Wolfgang Dauner.

Neben ihrer ersten eigenen Tournee begleitete sie das „United Rock & Jazz Ensemble“ als Supportact. 1982 folgte das zweite, gleichermaßen erfolgreiche Album ‚Fingernails’ neben eigenen Tournee-aktivitäten war sie Gastsängerin bei Produktionen der „Radio Jazz Group“ des Südfunk Stuttgart, bekam Einladungen zu Rundfunkproduktionen von NDR und Bayrischem Rundfunk als Solistin und war Bandmitglied von Wolfgang Schmidts „Wolfhound“, bei dessen Alben „Hallelujah“ und „Neverending Story“ sie mitwirkte.

Nach der Trennung von Wolfgang Dauner betrat sie auch musikalisch Neuland: Abschied vom Jazz, Einstieg in deutschsprachige Popmusik.

Ihr erstes  deutsches Album ‚Anne Haigis‘, produziert von Edo Zanki, erschien 1984 bei EMI Electrola. Der Titel „Freundin“ erklomm die Charts und wurde ihr erster Hit.

In TV-Shows wie „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kuhlenkampff, Rudi Carells „Verflixte 7“, Thomas Gottschalks „Na sowas“, „Peter‘s Popshow“, „Rock Pop in Concert“ und „Ohne Filter“ war sie damals kontinuierlich zu Gast.

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1985 erschien ‚Lass mich fallen wie Schnee‘ (produziert von Tato Gomez) und 1987 ihr bis dato erfolgreichstes Album ‚Geheime Zeichen‘ (produziert von Tony Carey).

Für das 1989 erschienene Album ‚Indigo‘ (Produzent: Wolf Maahn und Mandy van Baaren) erhielt sie im selben Jahr den deutschen Pop Oscar: einen „Löwen“ von Radio Luxemburg.

Mit dem Wechsel ins letzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends beschritt  Anne wieder einen neuen Weg – ein Stück Freiheit mehr, eine neue Entwicklung, aber auch wieder ein Abschied. Sie wollte sich nicht mehr auf ausschließlich deutsche Texte festlegen und nahm mit Tony Carey und Eric Burdon den Titel „No man‘s land“ auf.

Dieser Entschluss war zugleich die Trennung von ihrer langjährigen Plattenfirma EMI.

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Unterstützung bekam sie von Kollege und beratendem Freund Peter Maffay, der ihr mit ihrem neuen Selbstbewusstsein einen Vertrag bei BMG Ariola verschaffte.

Zur Produktion ihres rockigsten Albums ‚Cry Wolf‘ reiste sie 1992 nach Los Angeles und Nashville, wo sie in Zusammenarbeit mit Kevin McCormick (Melissa Etheridge-Band), Barry Beckett (produzierte u.a. die Dire Straits) und Nils Lofgren maßgebliche Erfahrungen für die Zukunft sammelte.

Aus dieser Zeit stammt auch der Kontakt zu Melissa Etheridge, die für sie die Songs „Dancing in the Fire“ und „Out of My Mind“ schrieb.

Den Aufnahmen zu ‚Cry Wolf‘ folgte eine zwei-monatige Europa-Tournee mit Curtis Stigers. Im Anschluss daran speckte Anne ihre Band von Rockbesetzung auf Akustikbesetzung ab und präsentierte ihre Stimme von nun an fast pur – eben unplugged.

Unterstützt von u.a. Geiger Mani Neumann (Trio Farfarello), spielte sie 1997 zusammen mit ihrem langjährigen Freund Franz Benton das Livealbum ‚Dancing in the Fire‘ im Kölner Club Bel Air ein. Begleitet von Klaus Spangenberg, Jörg Hamers und Erich Strebel, gab sie in den letzten drei Jahren an die 200 Konzerte, einschließlich einer Kurztournee in Brasilien.

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Mit ihrem perfekt eingespielten Musikerteam erfüllte sich Anne zum Jahrtausendwechsel einen großen Traum: sie beschloss, ihr Album [mi:] in Eigenregie an einem ungewöhnlichen Ort aufzunehmen. Weit ab von Alltag und Großstadtrummel mietete sie ein Strandhaus an der niederländischen Nordseeküste und richtete dort für die Dauer der Produktion ein Studio ein.

Unglaublich entspannend war für Anne die Produktion ihres zehnten Albums ‚Homestory‘.

Eine Woche lang hatte sich Anne Haigis zu Hause mit ‚ihren drei Männern‘ (Jörg Hamers, Jens Filser und Roman Metzner) verschanzt – in der vierten Etage eines Kölner Wohnhauses.

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Weniger ist eben manchmal mehr. Zusammen mit ihrem Bandgitarristen Jens Filser entstand 2005 das Live-Album ‚8:00 pm‘. Wunderschöne Songperlen, denen das Duo mit begeisterter Spielfreude und Leidenschaft neues Leben einhaucht. Gemeinsam mit ihrem musikalischen Partner Jens Filser kommt Anne Haigis mit ihrem aktuellen Album ‚Good day for the Blues‘ einem vielfach geäußerten Wunsch ihres Publikums nach, tiefer in den Blues einzutauchen.

Neben ihren vielen Konzerten ist Anne als Gastsängerin auf der ‚Tribute to Johnny Cash‘ – Tour zu sehen und seit 2003 als Dozentin in Gospel-Workshops tätig.

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