Und
die Presse schrieb...
Ein Abend für
Auge, Ohr und Herz
Die zehnte Nacht der Lieder war ein
Fest voller Nostalgie und Emotionen - sowohl für die
Beteiligten als auch für das Publikum.
Flensburg -
Eigentlich hatte sich Annegret Zumbach aus Grünholz eine
Karte für Platz 2 in Reihe 10 gekauft. Doch bevor die
Musik begann, fand sie sich plötzlich auf der Bühne des
Deutschen Hauses wieder: Gastgeber Richard Wester hatte
sie auserkoren, weil sie als eine der wenigen Besucher
keine Nacht der Lieder seit 1996 versäumt hatte. So konnte
sie das Geschehen auf der Bühne aus nächster Nähe
betrachten und saß neben Künstlern wie Anne Haigis und
Hannes Wader. Über die Hälfte des Aufgebots der
zurückliegenden zehn Jahre hatte Wester für die
Jubiläumsnacht zusammen bekommen. Der erste Teil des
Abends folgte der Chronologie. Die Mainzer Sängerin
Nanette Scriba und der chilenische Barde Pablo Ardouin
waren bei der Premiere dabei gewesen und kamen auch zum
Jubiläum. Westers Freund und Kollege Manfred
Maurenbrecher, Co-Gastgeber bei der Liedernacht, erinnerte
mit einer Prise Sarkasmus an all die Orte, die bespielt
wurden: ein Möbelgeschäft, ein Bürgerhaus, ein Busdepot
und eine Hüpfburg in Satrup. Hannes Wader, der
Grandseigneur des populären deutschen Kunstliedes, bewies
mit *Nach Hamburg“ seine große Klasse. Wader stand meist
etwas verschämt und unbeteiligt am Rande des bunten
Treibens. Nach der jeweiligen Solonummer nahmen die
Künstler hinten auf der Bühne Platz. Des langen Hannes
Gegenpol war die kleine Ina Deter, die das seltene
Come-Together der Liedermacher ungemein zu genießen schien
und wie ein Harlekin hin und her wieselte. Zusammen mit
Anne Haigis und Ulla Meinecke vertrat sie die Abteilung
der gestandenen Chanteusen; als Pendant dazu die
Nachwuchssparte mit der wunderbaren Dänin Helene Blum
(bald bei Folk Baltica), dem sizilianischen Vulkan Etta
Scollo sowie der ausgezeichneten Christina Lux, die toll
singen und tolle Songs schreiben kann. Richtig spannend
wurde es nach der Pause, als das große Dutzend
Individualisten zu wechselnden Ensembles zusammen fand.
George Nussbaumer leitete den großen "Sail Away"-Chor,
Hannes Wader freute sich über seine bezaubernden
Background-Sängerinnen, Pablo Ardouin zauberte eine
groovende Rumba-Combo ins Deutsche Haus und sang eine
spanische Strophe im traditionellen Abschiedslied "Ade nun
zur guten Nacht", dem großen Finale mit allen auf der
Bühne. Ein viel zu kurzer Moment für Auge, Ohr und Herz.
Joachim Pohl
Quelle: Flensburger
Tageblatt vom 04. Dezember 2006 |