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Anne Haigis - Presseartikel
 

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Restlose Begeisterung für Anne Haigis im Lutterbeker

   
  Als "uralte Fans" begrüßte Anne Haigis die beiden Damen, die ihre Karriere seit 16 Jahren begleiten und natürlich auch jetzt, im gut besuchten Lutterbeker, wieder Platz nehmen. Doch so unverbrüchlich dieser Bund auch ist, tatsächlich umfasst er gerade mal die Hälfte des mittlerweile geschlagene drei Jahrzehnte währenden musikalischen Lebenswegs der außergewöhnlichen Musikerin. Eine schillernde Karriere, die die gebürtige Schwäbin und Wahlkölnerin mit dem vorzüglichen Jazz-Gitarristen Jens Filser zu dem intimen, authentischen, uneitlen und sehr persönlichen Duo-Programm 8: pm komprimierte. Schummerlicht, Kerzenschein, zwei Barhocker, drei Gitarren. Die formale Reduktion des Unplugged-Konzertes setzte einen passenden Kontrapunkt für die Energie und Stimmgewalt dieser Powerfrau.
 

Wobei letztgenannte Attribute nicht etwa verhehlen wollen, dass sich hinter der Folk-Rock-Röhre auch eine höchst sensible Balladeninterpretin verbirgt. Es ist diese leider immer seltener werdende emotionale Beteiligung an den Songs, das manchmal lustvolle, an anderer Stelle beinahe ängstliche, immer aber rückhaltlose Hereinfallenlassen in Stimmung, Text und Musik, das den Stil von Anne Haigis definiert. Lieder nicht mit, sondern als Leib und Seele. Und das alles vermengt sich zudem aufs Angenehmste mit dem locker-launigen Witz einer rheinischen Frohnatur.

30 Jahre Jazz, Soul, Folk, Rock und Liedermacherpoesie in Deutsch und Englisch meißelte Haigis' außergewöhnliches Organ zwischen tiefen, weichen Klangfarben, kraftvollen Mittellagen und der krachenden, auch kratzenden und kratzbürstigen Rauheit einer Janis Joplin in die Gehörgänge des restlos begeisterten Publikums. Mid-Tempo Songs wie der von Melissa Etheridge geschriebene Opener Dancing In The Fire, leise Balladen wie My Opening Farewell, das aus der Feder von Tony Carey und Eric Burdon stammende No Man's Land im prachtvollen Duett mit Gitarrero Jens Filser oder die zur furiose Bluesrockgranate ausgereizte Nummer Thing Called Love  kündeten von dem umfassenden englischsprachigen {OElig}uvre der Sängerin.

Die, man muss vermuten, persönlichsten und sicher eindringlichsten Werke erklangen allerdings auf Deutsch. Heckenschützen der Angst, eine tief gründende Verarbeitung selbst erlebter traumatischer Kindheitserfahrungen oder eine Elton-John-Komposition, die sich mit dem Text des Trude-Herr-Gedichtes Nacht aus Glas zu einer düsteren, schlicht schockierende Auseinandersetzung mit Furcht, Tod und Einsamkeit verdichtete.

Alles hatte eben seinen Platz in dieser beeindruckenden Werkschau und als eine der vielen stürmisch herbei geklatschten Zugaben gab's dann auch noch das Joan Osbourne Cover What If God Was One Of Us, das Anne Haigis wieder einmal so herzerfrischend interpretierte, als wär's ein Stück von ihr.

Thomas Richter

Quelle:  Kieler Nachrichten vom 04.07.2005
 

       

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                                                                Update by MaKe-Design  10.01.2009