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Anne Haigis - Presseartikel
 

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Gefühlvolles Reibeisen und eine Steel-Guitar

   
 
WEISSACH. Die Bluessängerin Anne Haigis und der Gitarrist Jens Filser begeistern ihr Publikum in der Strickfabrik.

Es herrscht so etwas wie langjährige Vertrautheit, man kennt sich - zumindest das Publikum die meisten Songs von Anne Haigis. Ihre Musik hat viele Zuhörer, die sich am Freitagabend zum ausverkauften Konzert in der Strickfabrik eingefunden haben, durch jugendliche Sturm- und Drangzeiten begleitet; damals, in den achtziger Jahren. Haigis selbst war mit 16 Jahren aus dem Rottenburger Elternhaus nach Stuttgart "geflohen", der Musik zuliebe. Sie tingelte mit verschiedenen Gruppen durch amerikanische Clubs, stieg dank ihres damaligen Lebenspartners Wolfgang Dauner in die Jazzszene ein und machte sich mit eigenen und adaptierten Folk-, Rock- und Bluessongs einen Namen. Heute ist die inzwischen 54-jährige Wahlkölnerin mit neuen Titeln und dem hervorragenden Gitarristen Jens Filser unterwegs, ohne ihre musikalischen Wurzeln zu verleugnen.
 
Anne Haigis mag ihr Publikum. Im gut zweieinhalbstündigen Konzert, veranstaltet vom Förderkreis Kultur, scherzt sie, erzählt zwischen den Titeln kleine Anekdoten. Kerzen tauchen die Bühne in warmes Licht, heimelige Atmosphäre entsteht, ganz im Gegensatz zu den oft knackigen, rauen, lauten Tönen, die das Duo produziert. Haigis begleitet sich wie früher selbst auf der Gitarre, nur ist ihr Spiel noch virtuoser geworden. Dabei kann sie durchaus mit dem famosen Solinger Bluesgitarristen Jens Filser mithalten; die ganz komplexen Titel überlässt sie aber ihm. Die Stimme der Sängerin ist reifer und tragender geworden, hat jedoch nichts von ihrer Kraft und Kratzbürstigkeit, dem rauchigen Reibeisencharme verloren.
 
Etliche Balladen, sentimentale und melancholische, handeln, wie gleich der erste Song "Dancing In The Fire", von Beziehungen. Zurückgenommen und mitfühlend erzählt Haigis mit warmem, tiefem Timbre Geschichten, die Partnern passieren. Kommen Traurigkeit oder Zorn hinzu, wird die Stimme trotzig, anklagend, bricht gelegentlich. Die Gitarren kommentieren dies mit Wehklagen, aber auch mit Klangeruptionen, die so schnell verschwinden, wie sie die Zuhörer überrumpelt haben. Sehr emotional gerät der Song "Kind der Sterne", den Wolf Maahn für Haigis über eine Frau auf Sinnsuche geschrieben hat.
 
Wenn ein Titel, "Sweet Forgiveness" etwa, mit energisch-knarzender Stimme beginnt, kann er durchaus in eine fließende, warme Melodie münden, von Jens Filser mit schmeichelnder Südstaatengitarre unterlegt - oder eben umgekehrt. Diese subtilen Wechsel sind auch ein Merkmal des perfekten, intuitiven Zusammenspiels. Ergreifend gerät die Vertonung von zwei Texten der Schauspielerin und Sängerin Trude Herr, welche Anne Haigis auf einer Gedenkfeier zu Herrs fünftem Todestag 1996 erstmals gesungen hat. "Papa" ist eine unprätentiöse, grundehrliche Liebeserklärung eines Kindes an seinen Vater. Unter die Haut gehen die Beschreibungen von Schlaflosigkeit in "Nacht aus Glas". Hier gibt Anne Haigis der Verzweiflung eine Stimme.
In den authentisch-erdig daherkommenden Bluestiteln lässt sie ihrer Stimmgewalt freien Lauf, und auch Filser legt richtig los. Der Mississippi lässt grüßen, die gesamten Südstaaten auch, wenn er mit Fingerpicking Metall in die Klänge presst, Steel-Giutar-spielend durch alle Oktaven jault, und sich beide durch die Akkorde schrauben.
 
Dass das Publikum zu begeistern ist, wird schnell klar. Dass es auch Ausdauer hat, zeigt sich in der zweiten Halbzeit: Gut eine Viertel Stunde lang klatschen die Besucher bei einem fulminanten Rock-Blues-Medley enthusiastisch mit. Anne Haigis spielt virtuos mit ihrer und der Stimme der Zuhörer, aber sie wird nicht müde dabei.
 
( Rainer Enke)

 

       

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                                                                Update by MaKe-Design  22.03.2010