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Anne Haigis - Presseartikel
 

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Atemberaubende Achterbahn der Gefühle

   
 

Kulturwelten | Anne Haigis’ Reibeisenstimme kann kraftvoll röhren, aber auch ganz sensibel agieren. Bei zwei ausverkauften Konzerten in Helmbrechts zieht sie die Zuhörer in ihren Bann.

Anne im Textilmuseum Helmbrechts   
©Foto by Andrea Herdegen
Eine Powerfrau mit energischer Stimmgewalt: Anne Haigis begeisterte in Helmbrechts - 
unterstützt von ihrem Gitarristen Jens Filser - das Kulturwelten-Publikum.

   

Helmbrechts - Als sie zu singen beginnt, halten die Zuschauer den Atem an. Die Stimme ist gewaltig und wahrlich atemberaubend. Leidenschaft und Emotion schwingen darin mit, auch eine Menge Lebenserfahrung ist zu spüren.

Anne Haigis steht seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Bühne, hat schon Jazz, Pop, Rock, Folk, Country und Blues interpretiert - und stets mit ihrem eindrucksvollen Organ die Menschen in ihren Bann gezogen. So auch am Samstag und Sonntag bei den an beiden Abenden ausverkauften "Kulturwelten".

Feierlich ist die Stimmung im Saal des Textilmuseums. Drei mehrarmige Kerzenleuchter tauchen die Bühne in warmes Licht. Die Sängerin ist nicht allein aus dem Rheinland angereist: Der Meistergitarrist Jens Filser begleitet sie mit dem satten Klang seines zwölfsaitigen Instruments. Die Akteure sitzen auf Barhockern, beide mit akustischer Gitarre, beide gleichermaßen in Schwarz gekleidet - er mit Schiebermütze, sie mit wilder Mähne.

Das reduzierte Unplugged-Musizieren setzt einen Kontrapunkt zur energischen Stimmgewalt der Powerfrau Haigis. Die 53-Jährige lässt bei Folk-Rock-Songs ihre kraftvolle Reibeisenstimme röhren, wogegen sie sich bei Balladen stark zurücknimmt und höchst sensibel agiert. Sogar ohne Mikro singt sie manchmal - der Authentizität des Textes zuliebe.

So beim Song "Nacht aus Glas", den Trude Herr geschrieben hat, als sie bereits schwer krank war. Depressiv und traurig, ja regelrecht selbstquälerisch sind diese Zeilen: "Auf langen Spinnenbeinen kommt die Nacht, sie sucht die Siechen, die am Tag nicht starben, zeigt ein Stilett, ein Stundenglas - und lacht." Differenziert und besonders feinsinnig trägt Anne Haigis das Stück vor. Ihre Zuhörer schickt sie damit auf eine Achterbahn der Gefühle.

Trennungsschmerz wird ebenfalls thematisiert, doch diesmal lustvoll - "denn im Blues wird man meistens verlassen", ist die Erfahrung von Anne Haigis. Sie zwinkert den Blues-Liebhabern im Publikum zu: "Manche Menschen leiden ja gerne." Mit gewaltigem Organ stimmt sie "It's over" an, phrasiert variantenreich und löst damit ein sanftes Beben aus. Jens Filser erweist sich als kongenialer Partner. Filigran ist sein Fingerspiel, häufig übernimmt er die zweite Gesangsstimme. Für sein Improvisationstalent an der Slide heimst er kräftigen Szenenapplaus ein.

Regelrecht ansteckend ist die Lebenslust, die Anne Haigis mit dem Song "Thing called Love" von John Hiatt ausdrückt. Haigis bedankt sich darin singend für die "Wonderful Night in Helmbrechts". Stürmisch werden die Zugaben herbeigeklatscht. Doch kaum hat die Sängerin das Mikrofon erreicht, tritt wieder diese andächtige Stille ein. Sie entscheidet sich "für einen Song, bei dem es sich lohnt, auf den Text zu hören": "One of us" - ein Lied, in dem es darum geht, wie es jeder mit Gott hält.

Stehende Beifallsbekundungen belohnen die wandlungsfähige Vokalistin, die längst die Herzen der Zuschauer erobert hat. Sie bedankt sich: "Es war wunderschön bei euch."

(Andrea Herdegen)

 
       

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                                                                Update by MaKe-Design  12.12.2009