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Anne Haigis und Jens Filser begeistern mit einem
abwechslungsreichen Konzert die Besucher des "Kulturfrühlings"-Starts
WÄCHTERSBACH. Der Start in den Wächtersbacher
"Kulturfrühling" am Freitag hätte nicht besser ausfallen können:
Mit der Verpflichtung von Bluessängerin Anne Haigis hat der
Kleinkunstkreis "Märzwind" gleich einen Volltreffer gelandet.
Alle Befürchtungen, dass das Konzert nicht ausverkauft sein
würde, lösten sich spätestens zehn Minuten vor Beginn in Luft
auf; immer wieder mussten zusätzliche Stühle in den Saal
geschleppt werden. Als Anne Haigis und Gitarrist Jens Filser auf
dem schummerig beleuchteten Podium Platz nahmen, monierte die
Grand Lady des deutschen Blues zunächst die Professionalität der
Bühnenausleuchtung. "So viel Rouge kann ich gar nicht
auftragen", war ihr Kommentar, der im Publikum gleich für die
richtige Stimmung sorgte.
Dann legten die beiden ohne große Aufwärmzeit los: Mit "Dancing
in the fire" war das Duo sofort auf Hundert, Gänsehautatmosphäre
breitete sich im Publikum aus. Und weiter ging es Schlag auf
Schlag: "All I wanna do", "Sweet forgiveness" und "Kind der
Sterne", bei welchem schon ein Großteil des Publikums mitsang.
Einen ersten Höhepunkt setzte die Schwäbin dann mit dem Song
"Nacht aus Glas", einem Titel, den sie 1996 zur Galarevue
anlässlich des fünften Todestages der unvergessenen Trude Herr
geschrieben und gesungen hatte.
©Foto
by Lindner
Unbeschreibliche Stimme
Es ist einfach unbeschreiblich, wie Anne
Haigis ihre Stimme modellieren kann, wie vielfältig die
Ausdrucksmöglichkeiten der 53-Jährigen sind; irgendwo zwischen
Janis Joplin, Joan Baez und Trude Herr angesiedelt, bewegt sie
sich souverän im Metier des Blues, Rock und Folk.
Das Ganze erhält seinen letzten Schliff durch Jens Filser, mit
dem Anne Haigis seit nunmehr zehn Jahren durch die Republik
tourt. Der introvertiert wirkende Gitarrist geht erst aus sich
heraus, wenn er seine zwölfseitige Gitarre in den Fingern hält.
Doch dann hält ihn nichts mehr. Souverän beherrscht er sein
Instrument, die Riffs, Läufe und Akkorde fließen ihm
buchstäblich aus der Hand. Eric Clapton wurde von seinen Fans
einst "Mr. Slowhand" genannt, wie bezeichnet man einen wie Jens
Filser? Seine Begleitung der starken Stimme von Anne Haigis ist
zumeist zurückhaltend, richtig in Form kommt er erst bei seinen
Soli, setzt hier die Akzente, die die Sängerin mit ihrer Stimme
vorher dominierte.
Dass die beiden ein eingespieltes Team sind, ist sicht- und
hörbar, ideale Ergänzung zueinander, was Haigis mit starken
Worten ausdrückt, kommentiert Filser mit seinem
unvergleichlichen Spiel. Hörenswert auch der Backgroundgesang
des Gitarristen, unaufdringlich, präzise und den Sound der
"Rockröhre" Anne Haigis unterstreichend. Und auch das gute
Zusammenspiel auf den Gitarren der beiden Vollblutmusiker ist
bemerkenswert, Anne Haigis ist auf der Gitarre selbst eine
Klasse für sich. Bei "Good day for the Blues", dem Titel, der
der letzten LP von Anne Haigis den Namen gab, folgten die
Zuhörer im Saal beinahe ausnahmslos der Aufforderung der
Sängerin und bestiegen die Stühle, starke Emotionen für
Wächtersbach. Das ist der Maßstab, der in Zukunft an derartige
Veranstaltungen gestellt werden wird, danke Anne Haigis, danke
"Märzwind" für einen tollen Abend.
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