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Anne Haigis
berührt mit seelenvoller Rauheit und fühlbarer Kraft
'Gitarren-Supermann' Jens Filser erzeugt sprachlos machende
Sounddichte
Hamm.
"Ist das heut' Abend als Blues-Konzert angekündigt?", fragte
Anne Haigis ihr Publikum nach ihrem mehr wie Country-Folk
klingenden Auftakt. Den Gästen vor der Hoppegarden - Bühne
schien das allerdings ziemlich egal zu sein, denn ganz gleich,
welche Stilistik die Sängerin und ihr 'Gitarren-Supermann' Jens
Filser gerade angingen - immer war's von allerfeinster Qualität.
Und natürlich stand der Auftritt ganz im Zeichen des neuen
Silberlings 'Good day for the Blues' -die soulige Variante des
'blauen' Gefühls schimmerte immer durch.
Haigis ist bereits seit Ende
der 70er Jahren musikalisch unterwegs, hat sich früh an den
zwölf Takten versucht, der großen Janis Joplin Tribut gezollt,
ihre Liebe zu Jazz entdeckt und dabei mit Musikern wie Wolfgang
Dauner, Eric Burdon oder Melissa Etheridge zusammengearbeitet.
Allerdings ließ sie sich nie auf nur ein Ding festlegen,
vielmehr hat sie alles aufge- sogen um daraus ihren persönlichen
Stil zu entwickeln. Davon profitierten die Musikfreunde in der
Kulturwerkstatt, denn das, was die Sängerin hier präsentierte,
war schlicht und einfach Weltklasse. Sparsame Arrangements -
hier gab es 'nur' ihren Gesang plus Gitarrenbegleitung und eben
Jens Filser an Sechs- oder zwölfsaitiger Gitarre - ließen
reichlich 'Luft' für ihre Stimme. Diesen Freiraum nutzte Haigis,
um alle Register ihres im Laufe der Jahre ausgereiften Organs
zum Klingen zu bringen. Da war diese seelenvolle Rauheit, diese
fühlbare Kraft und auch diese besondere, zerbrechliche Zartheit
- und da war noch mehr, das gewisse Etwas der Persönlichkeit
einer großen Sängerin. Sogar die langjährigen Fans zeigten sich
überrascht von der umwerfenden Live-Präsents, mit der sie die
schönsten Songs anderer Musiker zu ihren eigenen machte. Lieder,
die Leben, Liebe und Tod thematisierten: Die Intensität der
Trauer und Lebensfreude einschließenden 'Nacht aus Glas' -
Version schüttelte geradezu körperlich durch. Wolf Maahn hatte
'Kind der Sterne' für sie geschrieben, das hier die
Studiofassung klar in den Schatten stellte. Aber es ging auch
heftiger zur Sache: Bonnie Raitts 'Thing called love' quittierte
das Publikum mit spontanem Zwischenapplaus und zunehmender
Bewegung. Die von insgesamt 18 Saiten erzeugte Sounddichte
machte so manchen Gast sprachlos und Filsers Bottleneck- und
Solo- Eskapaden auf der Zwölfsaitigen wiesen
ihn als wahren Meister aus. Mit einer 'Hey Joe' - 'Little Wing'
- Mutation endete einer der schönsten Abende in der wahrlich
nicht kurzen Liste legendärer Hoppegarden-Konzerte.
(Werner
Lauterbach)

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