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Anne Haigis - Presseartikel
 

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Ein Infekt verfeinert den Blues

   
 

Anne Haigis und Jens Filser gastierten auf ihrer Konzerttour im Unterhaus

Mainz. Diese Grippe ist eine Gottesgabe: Anne Haigis hat es voll erwischt. „Manchmal geht mir das Ohr zu, dann guck’ ich ein bisschen doof, weil ich nichts mehr höre“, warnt sie ihr Publikum im Unterhaus. „Aber wer den Blues singt, darf ruhig eine kaputte Stimme haben.“ Zumindest, wenn sie so schön kaputt ist.

„Sweet Forgiveness“ klingt denn auch, als hätte die 52-Jährige sich ein Leben lang mit Whiskey und Tabak imprägniert. Der Song stammt von Haigis’ neuer CD „Good Day For The Blues“, mit der sie eine ständige Nachfrage ihrer Fans befriedigt: „Die wollen immer wieder wissen, auf welcher Platte am meisten Blues ist.“ Jetzt fällt die Antwort endlich eindeutig aus.

Auf ihrer „Konzerttour 2008“ bietet Haigis einen Querschnitt durch mehr als ein Dutzend Alben. Mit „Haut für Haut“ etwa entführt sie in die 80er. „Damals habe ich vier deutschsprachige Alben gemacht. Dann hatte ich keine Lust mehr, mich von außen reduzieren zu lassen. Eine Zeit lang ist das okay, aber dann muss man sich befreien.“ Sie sang wieder englisch.

Im Laufe ihrer knapp 30-jährigen Karriere arbeitete Haigis mit Künstlern wie Melissa Etheridge oder Nils Lofgren zusammen, mit Wolfgang Dauner oder Wolf Maahn. Für diesen Abend jedoch reicht ihr ein einziger Gitarrist: Jens Filser verleiht ihren Liedern einen ungeheuren Drive. Mit seinen komplexen Soli erntet er tüchtig Szenenapplaus – und als Duettpartner ersetzt er sogar recht passabel Eric Burdon, mit dem Haigis einst „No Man’s Land“ schmetterte.  Zwar fehlt ihm die raue Note, doch da reicht ihr Organ für zwei. Filser ist mehr als nur eine Begleitung. Auf seinem Barhocker sitzt er mindestens gleichberechtigt neben der Sängerin.

„Ihr habt sicher Durst, und ich gehe ein wenig abhusten“, meint Haigis zur Pause. Danach wird klar: Extreme Töne fallen ihr zunehmend schwer, die Grippe fordert ihren Tribut. Dennoch klingt „One Of Us“ von Joan Osbourne besser als das Original. Das Publikum erklatscht sich gnadenlos seine Zugabe. „Also: Ich quetsche jetzt meine letzten Töne raus, aber irgendwann geht nichts mehr. Männer, ihr kennt das!“ Immerhin ging zuvor eine ganze Menge an diesem Abend.

(Gerd Blase)
 

       

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                                                                Update by MaKe-Design  10.01.2009