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Anne Haigis und Jens Filser begeistern im
Klausenbauernhof / Zu ihren Wurzeln zurückgekehrt
Auf große Begeisterung der vielen, teils von weit
her angereisten Zuhörer, stieß das Konzert der Sängerin Anne
Haigis mit ihrem Gitarristen Jens Filser. Auf Wunsch ihrer Fans
kehrte sie dabei zu ihrem ureigensten Genre, dem Blues, zurück.
Wolfach.
Ungewohnt schüchtern tritt sie auf, die schwäbische Sängerin
Anne Haigis mit der so markanten rauchigen Stimme im
vollbesetzten Klausenbauernhof im Wolfacher Ippichen. Ihre
verblüfften Fans nehmen’s gelassen, vermuten dahinter einen
ihrer Gags. Jens Filser, ihren bewährten, großartigen
Gitarristen hat sie wieder mitgebracht, über den sie im Laufe
des Abends noch so einige ihrer tiefsinnig-albernen
Geschichtchen erzählen wird.
Und dann
geht’s gleich los mit tiefstem Blues, melodisch etwas
aufgehellt, dass keiner im Publikum mehr loskommt von dieser
Stimme. Eine Stimme, als sei sie eigens für den Blues geboren.
Man kann nicht genug kriegen davon, könnte süchtig werden.
Anne Haigis
singt und spielt auf der Gitarre, als stehe sie solo auf der
Bühne, während Jens Filser seinem filigranen Gitarrenspiel mit
seinem hellen, brillanten Klang nachlauscht, als staune er
selbst am meisten darüber. Er ist für diese Stimme die perfekte
Begleitung, die man eigens erfinden müsste, gäbe es sie nicht.
Den riesigen Beifall gleich für das erste Stück haben sich die
beiden mehr als verdient.
„Schön wieder
hier zu sein“, freut sich die Sängerin und lobt das Publikum für
seinen Anstoß, sich wieder mehr mit dem originären Blues zu
beschäftigen. „Ich gehe zu meinen Wurzeln zurück“, erklärt sie
die Songs des Abends. Allerdings sei sie für reinen Blues viel
zu melodisch veranlagt.
Das stimmt
wohl, wie die nächsten Stücke zeigen: Tiefgründige, rhythmisch
ausgefeilte und melodisch veredelte Blues-Adaptionen. Es sind
Songs, die die Seele berühren. Ihre Texte sind mal traurig, mal
komisch, mal ausgelassen, mal bitter oder – alles gleichzeitig.
Es gibt
Momente bei ihrem Auftritt, da kann sie den individuellen
Gefühlshaushalt ganz schön durcheinander bringen. Und immer
wieder das mal filigrane, mal handfest rhythmische Gitarrenspiel
der beiden, das keinen mehr loslässt und Anne Haigis’
unglaubliche Stimme nur noch mehr Geltung verschafft.
‚Nacht aus
Glas’ heißt der nächste Song über die nächtlichen Ängste, dessen
tiefgründiger Text von Trude Herr stammt. Was die beiden Musiker
da an Gefühl und Musikalität vorlegen, ist bemerkenswert und
lässt wohl keinen im Saal unberührt.
‚No man’s
land’, Eric Burdons berühmter Ohrwurm, singen die beiden im
Duett und machen ihn zu einem Blues-Hochgenuss.
‚Simple Man’,
ein wunderschöner, ergreifender Song über ein altes Ehepaar mit
Anne Haigis’ begeistertem Zwischenruf „It’s a good day fort he
blues!“ entwickelt sich zum Höhepunkt des Abends. Wie die drei,
die Stimme und die beiden Gitarren, da in Blues-Stimmung
harmonisieren, sucht seinesgleichen.
Eine etwas
alberne, aber gut gemachte Reminiszenz an den gastgebenden
Schwarzwald, der „Schwarzwälder-Kirschwater-Blues“, mündet zum
Glück bald in ein anspruchvolleres Stück. Anne Haigis flötet,
säuselt, schreit, flüstert ins Mikrofon in fliegendem Wechsel,
derweil die Gitarren minutenlang um die Wette spielen und dabei
auch noch eine Melodie unterlegen: Ein Meisterstück zum Schluss
mit riesigem Beifall und „Zugabe“-Rufen des süchtigen Publikums.
Es werden
gleich zwei überaus bemerkenswerte Zugaben. Zum einen das Stück
‚One of us’ mit schöner Gitarreneinlage und dann zum endgültigen
Schluss ein Lied, bei dem die Sängerin noch einmal alles gibt
und ihrer Stimme so viel zumutet, dass man um sie zu fürchten
beginnt.
(Andreas
Buchta)
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