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Anne Haigis begeistert bei ihrem Gastspiel im
'U1'
Ungestüm
betritt Anne Haigis die Bühne im vollbesetzten "U1" und
entfesselt schon mit den ersten Tönen ein musikalisches und
stimmliches Feuerwerk. Man muss diese Powerfrau live und hautnah
erlebt haben - ihre Leidenschaft und Freude an dem, was und wie
sie singt, an ihrer Musik eben. Sie braucht nicht lange, und der
Spaß überträgt sich auf ihre Fans, auf ihr Publikum, das nach
kurzer Zeit begeistert im Rhythmus mitswingt. Die Sängerin mit
der rauchigen, kraftvollen Stimme und dem unverwechselbaren
Timbre, das am besten zum Blues passt, zeigte an diesem Abend
eine breite Palette ihres Könnens, ob mit einer gekonnten
Improvisation oder bei ihren, von zahlreichen Alben bekannten
Songs.
Besonders im ersten Teil Ihres Konzerts schien sie stimmlich
fast den Raum zu sprengen. Aber sie singt eben nicht nur
kraftvoll laut, sondern beherrscht ihre Stimme einmalig,
versteht es mit ihr bis in weiche Klangarben zu jonglieren. Seit
den 1980er Jahren hat Haigis ihren Platz auf der Bühne gefunden
- "ist das schon so lange her? Ach nee Leute!" - plauderte sie
im schwäbischen Tonfall. Unter anderem arbeitete und produzierte
sie in Los Angeles und Nashville, spielte mit so bekannten
Musikern wie Eric Burton, Tony Carey oder Edo Zankl zusammen. Ob
in deutscher oder englischer Sprache, ob bei Jazz, Soul, Folk,
Rock oder Blues, Titeln wie "Good Day for the Blues" oder dem
"Song vom Autofahren" - ihren Gefühlen lässt sie stets
hemmungslos freien Lauf.
Nach vielen Jahren Zusammenarbeit und hunderten von Auftritten
mit ihrer Akustik-Band hat die Songwriterin ihre Arrangements
und Instrumentierung immer weiter reduziert. In
Garmisch-Partenkirchen durfte man sie mit dem herausragenden
Gitarristen Jens Filser erleben, der nicht weniger als Haigis
begeisterte. Dass er ihr in seiner musikalischen Leidenschaft in
nichts nachsteht, bewies er schon mit dem ersten Titel. Er gibt
der Sängerin aber nicht nur instrumentalen Rückhalt, sondern
bereichert die Songs durch seine Gitarrensoli. Filsers ist dabei
in allen Stilrichtungen auf seinem Instrument zu Hause, auf dem
er jazzt und swingt, was das Zeug hält. Überraschend auch, wie
er Haigis stimmlich ergänz. Improvisieren dann beide rein
instrumental, dann ist auch dieser Sound so perfekt, dass man
süchtig werden könnte.
"Ich war vor zweieinhalb Jahren schon einmal hier bei euch in
den Bergen, vielleicht darf ich ja noch einem wieder kommen",
kokettierte die Sängerin nach der dritten Zugabe in einer ihrer
locker-flockigen Moderationen. Da weiß sie längst, dass der
Sturm er Begeisterung das nächste Kulturbeutel-Engagement
bestimmt abgerungen hat.
(Margot Schäfer)
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